berlin bei nacht

das kleine abenteuer berlin. klappe die vierte.

laura setzt sich mit frischer gelbfieberimpfung in den zug und fährt los, trotzt allen verspätungen, stromausfällen und fahrplanänderungen und steht tatsächlich freitag nacht nach einer achteinhalb stündigen odyssee am berliner hauptbahnhof. auch mit nicht vorhandenen telefonnummern, handys und mails findet sie schließlich ihren pilgerfreund und lernt an diesem abend erstmal die wg kennen. erste frage: "ähm, willst du eigentlich hier einziehen?" eine wirklich nette begrüßung!

den heutigen tag hat laura erstmal bis drei verplempert - wer auch bis halb vier morgens wach bleibt... schließlich konnte sie sich aber doch aufraffen: wenn man schon mal in berlin ist, muss man damit auch was anfangen! also los: loriot. die hommage. köstlich amüsiert bis "entschuldigen sie bitte, aber wir schließen jetzt."

lieber herr loriot!
haben sie schon mal daran gedacht, ihre eigene ausstellung als vorlage zur karrikatur heranzuziehen? die besucherschar würde sich vorzüglich dazu eignen, sind es doch hauptsächlich die menschen, die sie in so überaus genialer weise vorführen, welche sich am meisten über ihre sketche und damit also über ihr eigenes spiegelbild amüsieren. da schallen affektierte lacher durch den raum, verhaltenes gekicher und inbrünstiges schnaufen, das wohl von unterhaltung zeugen soll. außerdem hier und da ein besserwisserisches "ach, das ist doch das mit der ente, jaja, das haben wir ja damals zur genüge...".
sie wären wahrscheinlich bestens unterhalten, wenn sie sich unbeobachtet im ersten stock des filmmuseums einfinden würden, um ihr publikum zu beobachten.
sie sind ein genie!
hochachtungsvoll.


danach weihnachtsmarkt am sony-center. essen essen essen, weil das frühstück die letzte mahlzeit gewesen ist. dann das vina blanca gesucht, aber zuvor bei khushi einen chai-tee auf meinen berlin-trip mit r. im juli getrunken und dazu gleich nochmal was gegessen, denn der hunger war noch nicht ganz weg.
der pilgerfreund war mit seiner geschlossene, bayerischen, betrunkenen und komische spielchen spielenden geburtstagsgesellschaft zu beschäftigt, deswegen machte sich laura nach kurzer überlegung richtung alexanderplatz auf.

nikolaiviertel:
auch abends bzw. nachts ist dieser stadtteil ausgestorben, so wie morgens auch (vgl.14.7.08). ein schild:

gendarmenmarkt:
900m. kein problem (die gleiche anzahl kilometer habe ich ja erst vor kurzem zu fuß zurückgelegt). berlin leuchtet. der alex nicht so sehr wie das riesenrad davor, die sterne nicht so sehr wie die strßenbeleuchtung, aber berlin leuchtet. ob baustellen oder unvermittelt auftauchende historische gebäude: alles strahlt und glimmt so fröhlich vor sich hin und sagt hallo, schön das du da bist, kuck doch mal, wie hübsch wir sind, kuck doch mal, wie anziehend wir diese stadt machen. allein in den straßen der hauptstadt fast ohne sinnvolles ziel, und begeistert und fasziniert und atmosphärisch gekitzelt.

meine liebste r.!
in memoriam deines unerfüllten juli-wunsches, schiller einmal abends beleuchtet zu sehen, trabte ich also zum gendarmenmarkt. der platz, muss ich dir leider sagen, ist ÜBERFÜLLT mit weihnachtsmarkt-zelten. eine sternleuchtende budenspitze an der anderen. der ohnehin schon schüchterne schiller (vgl. 14.7.08) wird nun von roten strahlern angestrahlt, die ihm so gar nicht behagen. seinen musen gefällts, aber als moderner rockstar taugt die weiße figur wirklich nicht. auch die angestrahlten historischen fassaden gehen in all dem aufgesetzten, aber noch unbelebten weihnachtsglanz der leeren buden unter. nur die diskokugel über dem eingang zur oper zittert lichtpunkte auf den boden und zwischen die marktzelte, halb wie eine einladung, halb wie ein schimmer von unberührtheit. eine merkwürdige atmosphäre auf einem platz, der eigentlich voller menschen sein sollte, aber übersät ist mit leeren vorbereitungen auf noch nicht vorhandene menschenströme.
berlin in der kalten jahreszeit ist sowieso ein wenig straßenleer...
viele liebe grüße dorthin, wo auchimmer du gerade sein magst.


auch am alex ist im winter auf der straße nichts besonders aufregendes los, also nix wie "heim".

es ist nun halb eins und ich werde gleich auf eine ü30-party gehen. was man nicht alles tut, um alte pilgerkollegen nochmal zu treffen.

morgen werde ich mit ein bisschen glück meine erste mitfahrgelegenheit nutzen und das backpacker-dasein genießen.

guten abend! gute nacht!

23.11.08 00:27

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