Tag 3 - Im Dickicht des letzten Abends

Und dann: das Krasseste, was ich in Berlin gesehen hab. Ich dachte mir schon, dass Brechts "Im Dickicht der Städte" interessant werden würde. Allein schon der Zufall, durch den ich darauf gekommen bin: Im Sony Center hatte ich ein kleines grünes Prospekt mitgenommen (aus dem bereits erwähnten Postkartenständer), nur weil das Zeichen da drauf so toll war:



Das Stück war Brecht, und ich mag Brecht. Ich bin sozusagen Brechtianer. Niemand mag Brecht. Aber ich. Und zwar genau deswegen.

Fr, 28.09. "Im Dickicht der Städte" Zum letzten Mal! Brecht/Castorf

Also los: zu dritt. Im Theater: fast nur Studenten. Und dann auf der Bühne: ein silberner Lametta-Vorhang, ein Bett, Kisten, von hinten rot leuchtende Neonröhren, Bücher (oh, wie die die Bücher behandelt haben, das tat mir in der Seele weh!), Tinte, Blut, Geschrei, Zuckungen, Sex, Kämpfe, Melonen (witzig: "Na toll, Melonen, da ist euch wohl auch nix Besseres eingefallen? Ist ja ganz billig, Melonen!), Umarmungen, Prostitution, laut, leise, Lieder, Drachen, Verkehr, Chicago.
Äh, die Handlung? Das ähm *räusper*, also da gings um, öh... keine Ahnung? Wirklich! Irgendwas mit Holz und verkaufen und Betrug und Niedergang oder so. Wie die Stadt Leute kaputt macht. Das etwa. Lassen wir mal die Bilder sprechen:

Der war der Beste!


Hüpfen, Schreien, Chaos und ein cooler Gitarrist, von dem Tohuwabohu größtenteils unbeeindruckt.

Nach und nach gingen immer mehr Leute einfach so raus, weil das Gnaze ziemlich langatmig war. Da banden die Schauspieler diese Leute kurzerhand mit ein: "Wir sind noch lang nicht am Ende!!!" (verschmitzter Blick ins Publikum), "Tja, die Tür ist auch schon wieder zu." (Ironie pur, nachdem schon wieder jemand gegangen war.), "Tschüss. Ich geh jetzt sterben. - Ja gut, stirb mal. Tschüss. --- Oder sollen wir noch n bisschen spielen?"

interessant, wie ich schon sagte. Lang, aber nicht schlecht.


im Dickicht des Herbstwetters...

Aus der Nuit Blanche (ach, wie gerne wär ich da noch gewesen, allein schon wegen des herrlich intellektuell-kulturellen Namens!) in der Nationalgalerie über die Impressionisten wurde dann leider doch nix: Zeitmangel. Außerdem schlauchen so drei Tage Dauerberlin doch ganz schön.

Also heim, im Gang noch ein paar Postkarten geschrieben, Berliner Luft eingefangen und schließlich, am nächsten Morgen, die Busfahrt in den heimeligen Süden angetreten.

5.10.07 17:45

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