Tag 2 - Reichstagsregen

Nach dem Postkarten- und Prospekte-Einsammeln aus dem Ständer neben dem Klo und der engültigen Aufsplittung in müde Regenscheue und uns, rennen wir durch den Regen Richtung Reichstagskuppel (Was will uns diese Alliteration sagen?), was uns nun wirklich als absolute Touristen vom Land ausgezeichnet und im Wer-fällt-am-wenigsten-als-Mainstreamtouristen-auf-Kampf einige Punkte kostet. Plötzlich rechts das Brandenburger Tor,



klein und unscheinbar, auf den Stadtmodellen aus Holz kaum zu finden, so winzig ist das Wahrzeichen der Hauptstadt. Ich krame meine Schwarz-Weiß-Fotos von 2004 raus.









Eine massive Säule aus der Froschperspektive, die Quadriga, die ohne runterzufallen beinahe höhnisch von oben über den Rand linst, Menschenmassen, Schatten, die die Fresken ganz oben zerschneiden, der Alex, der diagonal von links unten nach rechts oben durchs Bild ragt, das Telekom-Haus, das mir längst nicht so einschüchternd vorkam, wie auf dem verwischten Foto, als ich es wiederentdeckte. Und ganz hinten ein Landei in Sandalen, mit Hut und Krücke, in längst verbannten Klamotten, auf Kopfsteinpflaster, das riesige Tor im Rücken. Tor und Mädchen nicht wirklich entspannt grinsend.



Heute hat Berlin an Coolness und Charisma gewonnen und viel von der damaligen Größe und Bombastigkeit verloren. Es liegt ja auch unter mir. Ich bin nämlich oben in der Kuppel, wo es schallt und die Akkustik sich verschiebt. Ich denke daran, dass man theoretisch nur über das Glasgeländer klettern müsste, während Ka sich vorstellt, wie es wäre, wenn die World-Trade-Center-Flugzeuge jetzt auf uns zufliegen würden. Mixxi hört sich die Klingeltöne ihres Handys an. Der Regen malt witzige Muster an die Scheiben, in der Spiegelsäule finde ich meine Beine sechs bis 21 mal gespiegelt, mache einen Schritt und bin schon wieder weg.



Das Plenum sieht banal aus, blau eben. Der Architekt hat die Kuppel gleich so konzipiert, dass ein Haufen Leute (gell, G.! Ha!!) bis ganz oben gehen können. Also muss er gewusst haben, dass er eine Touristenattraktion baut. Komisch, sonst ist es doch immer andersrum. Genauso komisch wie der kleine Freiluftweg zwischen Ausgang aufs Dach und Eingang zur Kuppel. Und unangenehm bei Regen. Mit Kopfweh hinter der rechten Augenbraue in mein hartweißes Bett. Meine Tasche steht vor Nässe. Berlin gleicht sich aus, gefällt mit immer besser.

2.10.07 20:16

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